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Reisebericht Antarktis 2007/2008


Am 28. November landen wir, mit dem Flieger aus Deutschland kommend, in Kapstadt. Für ein paar Stunden genießen wir den südafrikanischen Sommer. Abends bereits verlässt unser Eisbrecher, die FS Polarstern, den Hafen. Kurs 180 Grad ist angelegt.
Bei Sonnenschein und leichten Winden nähern wir uns nach mehreren Tagen den „Vierzigern“, den berüchtigten Sturmböen und Wellen der „Roaring Forties“. Auch bei dieser Überfahrt schaukeln sie uns tüchtig durch.

Durch den ständigen Westwind ist die See in diesen Breitengraden  auch bei geringer Windstärke immer bewegt. Kommt dann noch ein Sturm wie jetzt, erreichen die Wellen schell eine Höhe von zehn Metern und mehr!

Erst an der Eisgrenze beruhigen sich die Elemente. Inzwischen hat auch unser zweiter Pilot seine Einweisung in die Besonderheit des Fliegens auf Schiffen und im Eis erhalten, sodass er in die Forschungsfliegerei starten kann. Mit an Bord der Bo-105 sitzen Biologen, die eine Bestandsaufnahme der antarktischen Tierwelt machen: Auf vorher festgelegten Abschnitten und aus einer bestimmten Höhe werden hierzu alle zu sehenden Tiere registriert, um anschließend über Hochrechnungen auf den Gesamtbestand schließen zu können.

Wir sind selber erstaunt, was es alles zu entdecken gibt: Minkwale, Orkas (die so genannten Killer-Wale), Finwale, und sogar einen Blauwal. Besonders beeindruckend sind die zutraulichen Buckelwale, die trotz ihrer bis zu 33 Tonnen Körpergewicht scheinbar federleicht aus dem Wasser schnellen. Eine Gruppe von ihnen schwimmt sogar neugierig direkt ans Schiff und beäugt die Wissenschaftler bei der Arbeit.

Außer Walen stöbern wir alle Arten der hier lebenden Robben auf: die Krabbenfresser, Rossrobben, Weddellrobben, und Leopardrobben. An Vögeln beobachten wir im subantarktischen Bereich vor allem den majestätischen Albatros, der mit seinen Flügeln bis zu drei Meter Spannweite erreicht. Weiter südlich werden die Albatrosse von Kaptauben, Antarktischen Sturmvögeln und Schneesturmvögeln abgelöst.

Eine zweite wichtige Aufgabe für uns als Hubschrauber-Besatzung ist, die „Polarstern“ durch das Eis zu lotsen und gute Fahrrinnen zu entdecken. Desgleichen für das Transportschiff „Naja Arctica“, welches die neu zu bauende Forschungsstation „Neumayer III“ an Bord hat.

Am 13. Dezember steuern wir in die Atkabucht. Der erste Tag vergeht vor allem mit Entladen von Versorgungsgütern und Treibstoff für die nächste Überwinterung. Da die Atkabucht noch von einem dicken Eispanzer überzogen ist, können wir nicht wie üblicherweise an der Schelfeiskante entladen und müssen das stattdessen übers Eis der Bucht tun. Schwere Treibstofftanks könnten jedoch leicht einbrechen beim Transport über Festeis. Deshalb suchen wir aus der Luft eine Stelle, wo wir doch ans Schelfeis herankommen könnten. Wir finden auch eine; allerdings ist die Kante über 30 Meter hoch und damit außerhalb der Reichweite unserer Kräne! So fällt unseren Hubschraubern die Aufgabe zu, die Tankschläuche als Außenlast aufs Eis zu hieven. Nun kann der Treibstoff zügig abgepumpt werden. Nach diesem Versorgungsdienst gehen wir wieder an unser wissenschaftliches Programm.

Inzwischen ist die „Naja Arctica“ in der Atkabucht eingetroffen. Die Besatzung wartet ungeduldig darauf, dass sich das Eis in der Bucht löst, um den Weg frei zu geben. Doch die Kälte hält sich in diesem Jahr hartnäckig. Und die Zeit drängt!
Also muss die „Polarstern“ den Eispanzer knacken. Nach etlichen Erkundungsflügen finden wir eine Stelle, die die Chance in Aussicht stellt, das Eis für das Versorgungsschiff brechen zu können. Die „Polarstern“ macht sich an die Arbeit. Es dauert mehrere Tage, eine Fahrrinne ins Eis zu rammen; immer wieder unterstützt durch unsere Aufklärungsflüge. Aufgrund dieser zusätzlichen Aufgabe, muss unser wissenschaftliches Programm etwas gekürzt werden. Auf dem Nullmeridian nehmen wir am 17. Januar die Forschungsflüge wieder auf.

Bereits auf der Fahrt nach Neunayer konnten wir auf dem Wasser gelegentlich braune Flecken entdecken, die sich unsere Experten nicht erklären können. Die Biologen haben in der Zwischenzeit ein mit Gewichten beschwertes Netz angefertigt. Dieses hängen wir als Außenlast an den Hubschrauber – und tauchen es bei nächster Gelegenheit mitten in einen solchen braunen Flecken hinein. Als  Ergebnis ziehen wir 378 Krilllarven aus dem Wasser. So konnten wir einen kleinen Beitrag leisten, der Natur ein weiteres „Geheimnis“ zu entlocken…

Mit Annäherung an die „Vierziger“, die uns natürlich wieder mit Sturm empfingen, stellen wir die Forschungsflüge planmäßig ein.
Neben all unserer Fliegerei und Forschung möchte ich noch erwähnen, dass wir Weihnachten und den Jahreswechsel nicht vergessen und gebührend gefeiert haben.

Diese Expedition endete am 4. Februar in Kapstadt. Unsere Besatzung: J. Büchner und W. Friedt (Piloten), J. Brauer (Prüfer), M. Heckmann (Techniker), Hubschrauber Bo 105 -  D-HAWI und D-HLSZ. Zurückgelegte Strecke: 16246 Kilometer.


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