5. August 2009. Die Expedition ARK XXIV-3 beginnt mit dem Auslaufen der Polarstern aus dem Hafen in Reykjavik. Wir nehmen Kurs auf Nordostgrönland, hier wird unser nächstes Arbeitsgebiet sein. Unsere beiden Hubschrauber haben die drei Wochen ohne uns gut überstanden und sind bereit für ihren nächsten Einsatz. Wir auch. Es kann losgehen!
9. August 2009. Heute beginnen die fliegerischen Aktivitäten. Erste Station ist Mesters Vig am Kong-Oscar-Fjord. Wir besuchen zunächst die Besatzung des lokalen Flugplatzes. Wichtige Sache, schließlich soll hier in unmittelbarer Nähe ein Camp für die Geologen errichtet werden. Da müssen die zwischenmenschlichen Beziehungen stimmen.
Das Außenlager ist schnell aufgebaut, wobei sich die Bölkow mit ihrer großen Ladekapazität wieder einmal bestens bewährt und lässt sich bei einer Geschwindigkeit von 40 kn auch ordentlich fliegen. Ein großes Floß muss dafür am Haken transportiert werden, was viel Fingerspitzengefühl erfordert. Das Floß neigt nämlich dazu, sich aufzuschaukeln.
Nach den Geologen kommen die Geophysiker und die Geodäten an die Reihe. Mit den Geophysikern fliegen wir sogenannte Refteks in der Umgebung des Fjordes aus. Mit diesen Refteks werden seismische Signale aufgezeichnet. Dazu wird von der Polarstern in relativ kurzen Abständen eine Luftkanone abgeschossen, also komprimierte Luft urplötzlich abgelassen, was zu einem Knall führt. Die reflektierten Wellen werden von einer großen Anzahl Geophonen (eine Art Mikrophon) registriert und aufgezeichnet. Die Refteks bleiben dann einige Tage draußen. Es ist immer wieder toll, beim Aufbau der Geophonkette zu helfen. Außerdem eine willkommene Gelegenheit, uns etwas mehr bewegen als es die Schiffslänge der Polarstern ermöglicht.
Bei den Geodäten ist unsere Arbeit dagegen auf das Fliegen beschränkt, während die Wissenschaftler ihre Messpunkte errichten. Auf diese installieren sie dann hochempfindliche GPS-Empfänger. So werden die Bewegungen Grönlands erfasst.
Der schönste Nebeneffekt dieser Flüge ist für uns der Anblick der atemberaubenden Landschaft Grönlands. Wir können nie genug sehen von den steilen Bergen, den Tälern und den Wasserfällen aus den 1000 m hohen Felswänden. Einfach überwältigend. Im Sommer sehen wir grasende Moschusochsen, Polarfüchse auf ihren Streifzügen und hin und wieder die leuchtend weißen Polarhasen. Mit etwas Glück sogar einen Gerfalken, der auf der Suche nach einem Schneehuhn seine Kreise zieht, denn seine Jungen müssen gefüttert werden.
Während die Wissenschaftler arbeiten übernehmen wir die Bärenwache. Besonders im Küstenbereich trifft man leicht auf diese imposanten Ureinwohner der Arktis. Unsere Signalpistole und der Karabiner sind immer geladen.
Nachdem alles aufgebaut ist, geht es auf See hinaus: das Schießen mit den Luftkanonen beginnt. Das dauert immer einige Tage, genug Zeit für uns also, unsere Helis zu warten. Schließlich sammeln wir alle Messpunkte wieder ein, was aber in der Regel schneller geht als das Aufbauen.
Neben diesem rein wissenschaftlichen Programm sind Eiserkundungsflüge eine weitere sehr wichtige Aufgabe für uns. Dabei suchen wir günstige und auch wirtschaftlich gute Wege für die Polarstern. Bei diesen Flügen ist oft der Nebel unser täglicher Begleiter. Zum Glück funktioniert die Zusammenarbeit mit unseren Bordmeteorologen tadellos, sodass wir oft die Zeiten abpassen können, in denen die Sicht etwas besser ist. An manchen Tagen ist der Nebel jedoch sehr hartnäckig.
Unsere Route führt uns weiter Richtung Norden durch den Franz-Joseph-Fjord, eine landschaftlich besonders reizvolle Ecke. Schon die ersten Nordlandfahrer hielten sich dort auf. Sie entdeckten und benannten das Teufelsschloss: ein Felskoloss mit Türmen und Zinnen bewehrt, der sich unmittelbar aus dem Wasser zu einer Höhe von 1500 m erhebt. Ein gigantischer Anblick.
Die letzten Stationen bauen wir schließlich um Djimphnasund herum auf. Wieder sind nur die Geologen und Geodäten aktiv. Die Refteks werden noch einmal zum Einsatz gebracht, allerdings nicht an Land, sondern auf einer großen Eisscholle. Nachdem wir die Wissenschaftler wieder an Bord geflogen haben, werden wir die Refteks in den kommenden Tagen wieder einsammeln.
Zum Abschluss der Expedition kehren wir noch einmal in den Kaiser-Franz-Joseph-Fjord zurück, dorthin, wo wir unsere ersten Einsätze hatten. Das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite und so werden noch einige Flüge möglich.
Aber dann heißt es Abschied nehmen von der wunderschönen grönländischen Ostküste. Die ersten Schneefälle deuten darauf hin, dass der Winter den Sommer übergangslos ablösen wird. Es ist also an der Zeit die Rückreise anzutreten und mit der Polarstern Kurs auf Bremerhaven zu nehmen.
Die Helicrew freut sich über die steigenden Temperaturen und nutzt die Rückfahrt zum üblichen Zeremoniell, dem Reinigen und Pflegen unserer beiden "Damen", die auch dieses Mal wieder zuverlässig gearbeitet haben.
Am 25. September ist unsere Expeditionsreise zu Ende und wir legen morgens in Bremerhaven an. Die Hubschrauber werden zu Wartungsarbeiten in unseren Betrieb „Am Luneort“ überführt um für die nächste Expedition gewappnet zu werden.
Jürgen Büchner
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